NACHRUF


In Memoriam

Walter Sperling (1932-2016)

Am 21. März 2016 ist Walter Sperling, emeritierter Universitätsprofessor für Geographie und ihre Didaktik an der Universität Trier, gestorben. Geboren am 26. Juli 1932 in Groß Gerau und aufgewachsen in Trebur, studierte Sperling 1953 bis 1959 an der Universität Frankfurt am Main Kulturwissenschaften mit dem Ziel, wie sein Vater Lehrer zu werden. In der Geographie prägten ihn besonders Herbert Lehmann und Anneliese Krenzlin, bei der er mit einer siedlungshistorischen Arbeit über den Odenwald promoviert wurde. 1963 erhielt er eine Dozentur für Didaktik der Geographie an der Pädagogischen Hochschule Neuwied und wurde 1967 zum Professor ernannt, zuletzt am Standort Koblenz. Von 1970 bis 1997 lehrte Sperling als ordentlicher Professor (C4) an der Universität Trier. Hier war er verantwortlich für die fachdidaktische Ausbildung, engagierte sich aber darüber hinaus als Fachwissenschaftler in Lehre und Forschung. In der Lehre gehörten neben didaktischen, methodischen und wissenschaftshistorischen Themen der Geographie die Politische Geographie, die Historische Geographie und vor allem die deutsche Landeskunde und Regionale Geographie Mitteleuropas zum Kanon seiner Veranstaltungen. In Zeiten des Kalten Krieges gehörte er zu den wenigen westdeutschen Geographen, die enge fachliche und persönliche Kontakte in die DDR und das östliche Mitteleuropa, vor allem in die Tschechoslowakei, unterhielten. Auch nach seiner Emeritierung 1997 blieb Sperling wissenschaftlich aktiv, forschte zu Fragen der Geschichte von Geographie und Kartographie und zur geographischen Namenkunde. Bis in seine letzte Lebensphase hinein nahm er seine Mitgliedschaften, etwa im Collegium Carolinum oder im Ständigen Ausschuss für geographische Namen, wahr und fuhr zu deren Tagungen.
Walter Sperling war ein schreibender Geograph, seine ca. 370 Publikationen decken ein immenses thematisches Spektrum ab. Viele seiner Schriften beruhen auf Vorträgen, mit denen er häufig ein breites Publikum erreichte. Für die heutige Generation kaum mehr nachvollziehbar und weitgehend vergessen ist seine Tätigkeit als Bibliograph und Dokumentar, mit der er sch uneigennützig in den Dienst des Faches stellte. Manche seiner Schriften waren in ihrer Zeit innovativ und lenkten den Blick auf zuvor unberücksichtigte Aspekte. Erwähnt seien nur die als habilitationsgleiche Leistung anerkannte Monographie „Kind und Landschaft“ (1967), in der er wahrnehmungspsychologische Fragestellungen in die Geographiedidaktik einführte, oder der Trierer Tagungsband „Theorie und Geschichte des geographischen Unterrichts“ (1981), der das zuvor kaum behandelte Thema der Geographie im Nationalsozialismus aufgriff. Für seine wissenschaftliche Erforschung der Tschechoslowakei bzw. der beiden Nachfolgestaaten erhielt Walter Sperling mehrere Auszeichnungen, zuletzt 2014 den Verdienstorden 2. Grades des Ministeriums für Erziehung, Jugend und Sport der Tschechischen Republik. Mit Walter Sperling ist ein engagierter Pädagoge und ein produktiver Wissenschaftler, bei allem beruflichem Erfolg aber immer bescheiden, freundlich und liebenswert gebliebener Mensch von uns gegangen.

Heinz Peter Brogiato